Arbeitssicherheit durch Witterung 2017-03-09T10:23:09+00:00

Gerüstarbeiten in Abhängigkeit von Witterungseinflüssen

Gerüstbauarbeiten sind Arbeiten, die zu einem großen Teil im Freien ausgeführt werden. Hierdurch ist man naturgemäß den Einflüssen der Witterung ausgesetzt. Anders als in Büros, Werkstätten oder in Industriehallen ist man bei Bauarbeiten im Freien (zusätzlich zu den Gefährdungen durch die Tätigkeit selbst) unausweichlich Witterungseinflüssen ausgesetzt.
Als Witterung bezeichnet man die Wetterverhältnisse mit Einflussgrößen wie Niederschlag, Temperatur und Wind:

  • Hitze und Sonneneinstrahlung
  • Gewitter und Blitzschlag
  • Nässe und Regen
  • Wind und Sturm
  • Schnee und Eis
  • Kälte

Hitze und Sonneneinstrahlung

In der Sommerhitze ist der Organismus des Menschen schwerenBelastungen ausgesetzt, vor allem dann, wenn eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzukommt. Dann kann nicht ausreichend Schweiß von der Haut verdunsten, wodurch die Wärme nicht mehr abgeleitet wird. Das Kreislaufsystem gerät unter Druck: Schwindel, Ermüdung und Kopfschmerzen sind die Folgen. Bei harter körperlicher Anstrengung kann es auch zu Hitzekrämpfen, Hitzeerschöpfung oder im schlimmsten Fall zu einem Hitzschlag kommen. Auch Ozon kann Beschwerden auslösen. Vor allem nachmittags,wenn zwischen 16 und 18 Uhr die Werte besonders hoch sind. Wer sich dann im Freien aufhält, kann unter Symptomen wie brennenden Augen, gereiztem Hals und Rachen, erschwertem Atmen und Kopfschmerzen leiden.

Sonne kann die Haut langfristig schädigen. Ab einer gewissen Intensität der Strahlungseinwirkung (nach Hauttyp unterschiedlich) kann der Mensch schwer an Hautkrebs erkranken. Laut des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V. gibt es derzeit etwa 15.000 neue Fälle von hellem Hautkrebs pro Jahr,mindestens 5.000 davon sind berufsbedingt. Hauttumore durch natürliche UV-Strahlung (sogenannte heller Hautkrebs) sind seit neuestem in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen worden, die anhaltende Einwirkung von UV-Licht als ein Risikofaktor gilt als erwiesen – insbesondere bei häufigem Sonnenbrand.Schutzmaßnahmen:Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung bei Arbeiten im Freien die Risiken zu beurteilen und Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Bei Hitze und Sonneneinstrahlung sollten die Beschäftigten genügend Flüssigkeit zu sich nehmen (auf keinen Fall Alkohol). Wer schwitzt, muss den Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen. Anderenfalls sinkt die Leistungsfähigkeit, Unkonzentriertheit und Ermüdung sind die Folgen, das Unfallrisiko steigt. Geeignet sind kohlensäurearmes Wasser, Saftschorlen oder ungesüßte Früchte-oder Kräutertees. Die Getränke sollten nicht zu kalt sein, da der Körper sonst zusätzliche Wärme erzeugt und damit den Kreislaufzusätzlich belastet. Auch dem Sonnenschutz ist Rechnung zu tragen. Das Tragen einer Sonnenbrille schützt die empfindliche Bindehaut des Auges und verhindert die Blendung durch das Sonnenlicht. Das ist wichtig, denn schlechte Sehverhältnisse steigern die Unfallgefahr. Schutzbrillen sind als Sonnenbrillen erhältlich, interessanterweise ist die Akzeptanz der getönten, cooleren Schutzbrillen bei den Mitarbeitern wesentlich höher als bei normalen Schutzbrillen. Bei der Anschaffung ist auf das CE-Kennzeichen und die Filterkategorie zwei oder drei zu achten. Sonnenschutz bedeutet aber auch den Einsatz von Sonnencreme. Zu empfehlen ist ein wasserfester Sonnenschutz mit einem hohen Lichtschutzfaktor (Lichtschutzfaktor 30). Grundsätzlich sollte man nicht mit nacktem Oberkörper arbeiten. Leichte, locker sitzende Arbeitskleidung ist zu empfehlen. Bei hochsommerlichen Temperaturen sind zusätzliche Pausenvorteilhaft. Zieht man sich in schattige und kühlere Bereiche zurück, wird der Kreislauf entlastet und ist nicht permanent auf Hochtouren. Ein Vorziehen des Arbeitsbeginns auf die frühen Morgenstunden kann für weitere Entlastung sorgen.

Gewitter und Blitzschlag

Heftige Gewitter sind in jedem Sommer zu erwarten. Dabei sind in der Vergangenheit einige Menschen durch Blitzschlag umgekommen oder verletzt worden. Der Aufenthalt auf einem Gerüst während eines Gewitters stellt eine besonders hohe Lebensgefahr dar. Schutzmaßnahmen: Gerüstarbeiten sind bei heraufziehenden Gewittern sofort einzustellen und die Gerüste sind zu verlassen. Als geeignete sichere Unterstände sind die Fahrzeuge aufzusuchen. Die Metallkarosserie bildet einen sogenannten Faradayschen Käfig. Selbst wenn das Auto vom Blitz getroffen wird, fließt der Strom außen über das Auto in die Erde ab. Dabei ist es jedoch wichtig, dass der Metallkäfig keine allzu großen Lücken aufweist, durch die der Blitz ins Innere fließen könnte. Ein Blitz hat keine definierte Wellenlänge, seine Hauptenergie liegt in einem langwelligen Bereich, sodass er auch nicht durch die Fenster des Autos kommt. Verschließen sollten Sie diese trotzdem und die Hände sollten unbedingt an den Körper genommen werden. Berühren Sie weder Armaturen noch irgendwelche Metallteile. Wichtig ist es weiterhin Unwetterwarnungen ernst zu nehmen. Gibt es Hinweise auf eine extreme Wetterlage im Tagesverlauf, sollte man selbst regelmäßig den Himmel und die Natur beobachten. Die Arbeiten sollten eingestellt werden, wenn der Mitarbeiter den Blitz und den nachfolgenden Donner wahrnimmt. In Veröffentlichungen des Verbands der Elektrotechnik sind insbesondere bei Baustellen mit großflächigen Baugerüsten bei Anwesenheit von Personen während eines Gewitters Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen. Dabei sind Baugerüste als fremde leitfähige Teile im Sinne der VDE 0100-540 und 011-704 anzusehen. Wie beim Blitzschutz üblich, sind dem potenziellen Blitzgeeignete Wege in die Erde anzubieten, das heißt die Gerüste werden mit einer Erdungsanlage verbunden. Außerdem muss zwischen den ausgedehnten metallenen Einrichtungen der Bau-stelle (Gerüste, Fahrschienen von Kranen etc.) ein blitzstromfähiger Potenzialausgleich hergestellt werden. In der Baustellenpraxis ist diese Schutzmaßnahme jedoch noch selten bis gar nicht zu finden. Hier gibt es erheblichen Handlungsbedarf. Gerüstbaubetriebe halten sich eher an die Anforderungen der DGUV Regel 100-001. Hier wird zur Abwendung von Unfallgefahren infolge des Wettergeschehens bei Gewitter gefordert, die Arbeiten zu unterbrechen. Erste Hilfe bei BlitzschlägenSchlägt der Blitz in einen menschlichen Körper ein, fließen Strom-spannungen von mehr als 100.000 Volt durch den Körper. Die Folge sind Verbrennungen, Krämpfe und Lähmungen bis hin zu Atem- und Herzstillstand. Wird man Zeuge eines Blitzunfalls, sollte man sofort den Notarzt alarmieren und mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen. Die Sorge, bei Berührung eines Blitzopfers selbst einen Schlag zu bekommen, ist unbegründet, denn der Strom fließt sofort über den Körper in die Erde ab.

Nässe und Regen

Bei Nässe und Regen muss der Arbeitgeber Wetterschutzkleidung zur Verfügung stellen. Wie bei allen persönlichen Schutzausrüstungen hat der Mitarbeiter diese zum Schutze seiner Gesundheit natürlich auch zu tragen. Die Kleidung muss so ausgeführt sein, dass sie den Thermoregulationsprozess des menschlichen Körpers unterstützt, was nichts anderes bedeutet, als dass der einfache „Ostfriesennerz“ mit Sicherheit nicht die geeignete Wetterschutzkleidung ist. Geeignet ist vielmehr Schutzkleidung, die eine möglichst hohe Wasserdampfdurchlässigkeit bei gleichzeitiger Winddichtheit gewährleistet. Bei Gerüstarbeiten im Regen ist zudem zu beachten, welcher Handschuh eingesetzt wird. Lederhandschuhe werden bei Regenwetter seifig, was bedeutet, dass sich die Rutschgefahr beim händischen Transport extrem erhöht und eine weitaus höhere Handkraft benötigt wird um Gerüstmaterial sicher festzuhalten. Es sind Handschuhe mit einer hohen Griffsicherheit einzusetzen (Profilierung mit Noppen oder Rippen, abriebfeste Granulatbeschichtungen), die auch einen Feuchtigkeitsschutz bieten.

Wind und Sturm

Eine ordentliche Wetterschutzkleidung beinhaltet auch den Schutz gegen Wind. Auch hier gilt es auf eine winddichte aber atmungsaktive Bekleidung zu achten. Bei Wind und Sturm besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter das Gleichgewicht verlieren. Großflächige Gerüstbauteile (Durchstiegstafeln, Beläge, Belagtafeln) bieten dem Wind eine entsprechende große Angriffsfläche, sodass bei Transporttätigkeiten im Gerüst zusätzliche Gefährdungen wie herunterfallendes Material vor allem bei böigem Wind zu beachten ist. Bei starkem Wind und Sturm ist der Materiallagerung ebenfalls ein besonderes Augenmerk zu schenken. Gerüstteile (vor allem angestelltes Material) können umstürzen. Bei gestapelten Gerüstmaterialien ist die Stapelhöhe ein wichtiges Kriterium. Relativ geringe Windstärken am Boden können zum Beispiel in 30 m Gerüsthöhe Windbelastungen bedeuten, bei denen die Arbeiten einzustellen sind.
Schutzmaßnahmen: Angestelltes Material sollte rechtzeitig gegen Umkippen gesichert werden. Der Einbau von Belagsicherungen stellt sicher, dass sich Beläge nicht durch Wind oder Sturm ausheben (Bei allen Herstellern ist dies Bestandteil der Aufbau- und Verwendungsanleitung). Beachten Sie die Verankerungsraster, die sich bekanntlich beider Erhöhung der Windlasten, zum Beispiel durch die Bekleidung von Gerüsten, erheblich verändern (Vorgaben der jeweiligen Aufbau- und Verwendungsanleitung sollten hier beachtet werden). Arbeiten einstellen. Gerüstmaterialhersteller von fahrbaren Arbeitsbühnen aber auch Fassadengerüste lassen den Aufbau und den Abbau nur bis zur Windstärke 5 oder 6 zu. Bei größeren Windstärken ist das Gerüstunverzüglich zu sichern und zu räumen. Hinterfragt man diese Festlegungen so sind die Begründungen in der DIN EN 12811-1 unter dem Punkten maximale Windlast und Arbeitswindlast zu finden.

Schnee und Eis

Bei Schnee und Eis besteht die Gefahr des Ausgleitens und Herunterfallens, besonders gefährlich ist dies bei Arbeiten in absturz-gefährdeten Bereichen wie der Montage und Demontage der Gerüste in der obersten Lage. Vereistes Gerüstmaterial ist sehr rutschig, somit erhöht sich die Gefährdung durch herunterfallen-des Material extrem.Schutzmaßnahmen:Im Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung ist unter dem Punkt „Besondere Vorschriften für die Verwendung von Arbeitsmitteln bei zeitweiligen Arbeiten auf hoch gelegenen Arbeitsplät-zen“ nachzulesen, dass bei Vereisung und Schnee die Gerüstarbeiten einzustellen bzw. erst gar nicht anzufangen sind. Eine Alternative kann sein, das Gerüst von Schnee und Eis zu räumen, um es zum Beispiel zu demontieren. Die Möglichkeit des Absturzes muss sicher ausgeräumt werden. Hier ist auf jedenFall eine besondere Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und dieMitarbeiter sind in die Schutzmaßnahmen einzuweisen. In derSchweiz wird den Gerüstbauern empfohlen, das Gerüst mit Sand abzustreuen (Broschüre der suvapro „Fassadengerüste, Sicherheit bei der Montage und Demontage“). Salz ist nicht zu empfehlen, da es chemische Reaktionen und Flecken zum Beispiel an der Fassade auslösen kann. Salz greift zudem Aluminiumbauteile wie den Leiterdurchstieg an. In den Übergangszeiten kann es auch sehr hilfreich sein, morgens abzuwarten bis die Sonne Eis und Schnee abgetaut hat und erst in der Mittagszeit mit der Abbautätigkeit zu beginnen. Seitens des Gerüsterstellers besteht keine Verpflichtung, notwendige Maßnahmen zu tätigen, wie z. B. Auswirkungen von Witterungseinflüssen, die von dem Wetterschutzdach oder dem Gerüst beseitigt werden müssen (Eisbildung, Schneebelag usw.). Sie sind vom Auftraggeber als Nutzer selbst zu erbringen. Selbstverständlich kann der Gerüstunternehmer diese Pflicht gegengesonderte Vergütung übernehmen. Lesen Sie hierzu auch das Merkblatt „Eis und Schnee“ der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk.

Kälte

Kälte verursacht das Nachlassen der körperlichen Beweglichkeit und der Koordinationsfähigkeit. Bei lang anhaltenden Arbeiten können Finger und Zehen erfrieren, die Erkältungsgefahr nimmt zu. Durch die gleichzeitige Abnahme des Reaktionsvermögens, der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit erhöht sich zu dem die Unfallgefahr. Im Zusammenhang mit Regen und Wind kommen dem Mitarbeiter niedrige Temperaturen noch kälter vor, d.h. die gefühlte Temperatur ist noch niedriger als die tatsächliche. Grundsätzlich gibt es bei der Arbeit im Freien keine Temperaturuntergrenze. Durch eine Gefährdungsbeurteilung kann der Arbeitgeber die Belastungen der Arbeitnehmer ermitteln und davon entsprechende Arbeitsschutz-Maßnahmen ableiten. Kälteschutz ist bei der Arbeit im Freien zur Gesunderhaltung sehrwichtig. Schutzmaßnahmen: Mehrschichtige Kleidung ist optimal für die Wärmeisolierung am Körper. Bei der sogenannten Zwiebeltechnik entstehen in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Kleidungsstücken verschiedene Luftschichten, welche ihrerseits wieder eine zusätzliche Schutzfunktion bilden. Der Arbeitgeber muss auf seine Kosten in den Wintermonaten den Arbeitnehmern für die Arbeit im Freien eine spezielle Kälteschutz-Kleidung zur Verfügung stellen. Diese sind zum Beispiel entsprechende Hosen, Jacken, Schuhe, Stiefel, Handschuhe, Kopf- und Ohrenschutz. Diese Schutzkleidung muss bestimmten Normen und Vorschriften entsprechen. Ist der Kälteschutz nicht mehr gegeben, müssen diese Kleidungsstücke erneuert werden. Desweiteren müssen diese atmungsaktiv und bei schlechten Sichtverhältnissen mit Reflektoren ausgestattet sein. Bei der Arbeit im Freien sollte es den Arbeitnehmern jederzeit möglich sein, zum Aufwärmen einen beheizten Aufenthaltsraum aufsuchen zu können, was in der gängigen Baustellenpraxis nicht immer umzusetzen ist. Jedoch sind regelmäßige Aufwärmphasen für die Gesunderhaltung sehr wichtig. Warme Getränke halten zudem die Arbeitslaune hoch und sorgen für „innere Wärme“.
Weiterhin wird gefordert, dass Beschäftigte bei niedrigen Temperaturen bei Arbeiten im Freien nicht ins Schwitzen geraten. Denn durch schweißnasse Kleidung kühlt der Beschäftigte noch schneller aus, wenn er nach einer anstrengenden Tätigkeit in der Kälte steht. Diese Forderung ist jedoch in der beruflichen Praxis bei Gerüstbauarbeiten leider nahezu nicht umzusetzen.

Fazit: In der griechischen Mythologie kontrollierte Zeus den Blitz, den Donner und den Regen, er wurde auch der Wettergott genannt. Helios war der Sonnengott. Bei Donner sagt man „Petrus und di eEngel schieben Kegel“. Wenn Wolken am Himmel treiben, weidet der Apostelfürst seine Schafe. Und wer gutes Wetter braucht, der hofft, dass „Petrus ein Einsehen hat“. Hoffentlich für die nächsten Wochen. Schon immer hatten die Menschen den Wunsch, jemanden für das scheinbar zufällige und unberechenbare Wetter verantwortlich zu machen. Und doch müssen wir es nehmen, wie es kommt. Witterungseinflüsse wirken auch auf die Arbeitswelt, vor allen Dingen wenn der Arbeitsort wie im Gerüstbau im Freien liegt. Bei der Arbeit im Gerüstbau können die Arbeitsbedingungen und Schutzmaßnahmen dem Wetter angepasst werden.

Quelle: Der Gerüstbauer
Autor: Viktor Ricken